Dennoch gilt: Je düsterer das Bild ist, das ein Experte zeichnet, umso begieriger wird es von den Medien aufgesogen. Ihnen kommt in Zeiten der Krise besondere Verantwortung zu, weil sehr viele Menschen sie als verlässliche Informationsquelle betrachten. Wer aber ständig lesen, hören und sehen muss, dass das Schlimmste noch bevor steht, wird nicht den Mut aufbringen, sich gegen die Krise zu stemmen, sondern diesen verlieren.
Osteuropa steht am Rande des Abgrunds, Österreich geht pleite, Deutschland ist in ein paar Jahren bankrott, die USA sowieso. Und China könne auch nichts mehr retten. Wer angesichts solcher Szenarien nicht dazu bereit ist, alle Hoffnung fahren zu lassen, wird im besten Fall als unbedarft und ahnungslos belächelt. Im schlimmeren Fall wird ihm das Etikett angeheftet, er sei ein willfähriger Claqueur der Verharmloser.
Blenden wir ein Jahr zurück, als sich die Finanzkrise aufbaute. Just jene, die damals vorbehaltlos optimistisch waren, dass der Markt das regeln würde und der Staat sich heraushalten solle, schreien jetzt am lautesten. Dass der Staat zu lax sei, das Ausmaß der Krise nicht erkenne und so den Kapitalismus gefährde.
Die Gefahr ist da, man darf die Krise nicht kleinreden. Dass wir uns in der schlimmsten Rezession seit siebzig Jahren befinden, ist evident. Dass Politik und Notenbanken anders reagieren als in der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre, auch. Ob ihre Maßnahmen reichen, um das Wirtschaftssystem zu stabilisieren, ist offen. Man muss ihr Tun und ihre Versäumnisse kritisch hinterfragen. Man muss die traurige Realität zur Kenntnis nehmen. Aber man soll nicht ständig den Weltuntergang beschwören. In den guten Zeiten hat niemand auf die Warner gehört, in schlechten ist ein Rest von Zuversicht unerlässlich. In der Krise muss man Optimist sein.




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