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Archiv für die Kategorie ‘Leseecke’

Die Plastiktütenfrau

Verfasst von eoip am April 25, 2009

von Alexander-Hassberg

„Wer ist denn diese Frau?“, fragte Ines und deutete auf eine ältere Dame Anfang 70, die vor einigen Minuten das Modegeschäft betreten hatte. Trotz ihres gepflegten Äußeren umgab sie eine Aura des Gestrigen. „Die war doch schon öfter da“, setzte Ines nach. „Aber es wäre das erste Mal, wenn sie etwas kaufen würde“, erwiderte Petra. „Sie kommt Anfang jeden Monats in unser Geschäft, schaut sich durch die gesamte Auslage und bittet schließlich bloß um eine Plastiktüte.“ „Ehrlich?“, hakte Ines nach. „Und da spielen wir mit?“ „Das wirst du gleich sehen. Laut Frau Thieß war das einmal eine unserer besten Kundinnen. Ich nehme an, sie würde auch heute noch gerne so viel shoppen wie früher. Anscheinend geht das jetzt nicht mehr. Vielleicht ist ihr Mann verstorben. Oder sie lebte früher über ihre Verhältnisse. Wer weiß das schon? Wenn du mich fragst: Die sammelt hier und in anderen teuren Läden die Plastiktüten ein, füllt sie unauffällig mit irgendeinem Zeug und stolziert dann durch die Nachbarschaft, um vor ihren Kaffeeklatschtanten anzugeben.“ „Du glaubst auch immer nur an das Schlechte im Menschen.“ „Ach Süße, Pessimisten sind Optimisten mit mehr Erfahrung. Da kommst du auch noch hin, glaub mir. Die Thieß sagt jedenfalls, man wisse ja nie, ob sie nicht doch noch einmal zu Geld kommt. Deswegen bekommt sie ihre Tüte, wenn sie danach fragt. Strikte Anweisung der Chefin. Aber schau selbst.“ Die Verkäuferinnen stellten ihre unauffällige Tuschelei ein, denn die ältere Dame hatte den Tresen fast erreicht. Sie bat höflich um eine Plastiktüte und bekam sie von Petra. Die Dame verließ den Laden und hielt in der Hand diese Tüte sowie neue Tragetaschen und Beutel vieler anderer Geschäfte. Erst kurze Zeit später bemerkte Ines einen Handschuh auf dem Fußboden. Er konnte nur von der Plastiktütenfrau stammen. Sie witterte die Chance, ein Geheimnis zu lüften. “Wenn jemand fragt: Ich nehme meine Mittagspause.“, sagte sie noch und war aus der Tür. Petra schüttelte nur amüsiert den Kopf. Ines hatte kein Bedürfnis, die Plastiktütendame einzuholen. Sie verfolgte die Frau, die leicht an dem Spiel der leeren Tüten im Wind zu erkennen war. Nach einigem Fußmarsch quer durch Hannover verschwand sie in einem Bürgerhaus der Gründerzeit. Die Hobbydetektivin wartete auf dem Fußweg, um im letzten Moment durch den übrigen Spalt der Eingangstür zu schlüpfen. Ihrem Gehör nach schloss sich im Ersten Obergeschoss eine Wohnungstür. Ines nahm ihren ganzen Mut zusammen und klingelte bei Rosenheim. Es öffnete die Haushälterin. Diese erkannte den Handschuh, bat Ines hinein und führte sie in einen großen Empfangsraum mit allerlei antiquierten Möbeln. Die Theorie, dass es der Frau an Geld mangele, schien schlagartig widerlegt. Frau Rosenheim bedankte sich für ihren Handschuh, wollte aber sofort wissen, warum die Verkäuferin sie durch die halbe Stadt verfolgt hätte, denn sie hielt es für ausgeschlossen, einem so jungen Mädchen davongelaufen zu sein. Ines errötete bei dieser Direktheit, gab ihre Neugierde an den Plastiktüten aber ehrlich zu. „Früher dachte ich anders, aber: In diesen Tüten trägt man kein Leben nach Hause. Da passen nur Dinge hinein, die kurz über unsere innere Leere hinwegtäuschen. Auch diese Möbel sind nur Ballast. Ich werde mich von ihnen trennen. Seitdem ich leere Tüten nach Hause trage, fühle ich mich ausgefüllter als jemals zuvor in meinem Leben.“

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Ernst Jandl

Verfasst von eoip am März 18, 2009

ottos mops luise

ottos mops trotzt                         ich erinnere mich dunkel: ich war dunkel
otto: fort mops fort                      und wollte einen dunklen mann.
ottos mops hopst fort                   er war blond und wollte eine blonde frau.
otto: soso                                    ich erinnere mich genau wie blond er war
 
otto holt koks                               ich erinnere mich dunkel: er war blond
otto holt obst                               und wollte eine blonde frau.
otto horcht                                   ich war dunkel und hatte einen mann der blond war.
otto: mops mops                          ich erinnere mich genau wie blond er war
otto hofft
 
ottos mops klopft                         ich erinnere mich dunkel: weil ich dunkel war
otto: komm mops komm               wollte ich einen dunklen mann.
ottos mops kommt                       er war blond doch er hatte eine frau die war dunkel.
ottos mops kotzt                          er war blond doch er hatte eine frau die war dunkel.
otto: ogottogott                           ich erinnere mich genau wie dunkel ich war.

© Luchterhand © Luchterhand

Aus: der künstliche baum        Aus: dingfest

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Bumerang

Verfasst von eoip am März 15, 2009

Bumerang

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.

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Karin Reddemann: Nur dein Butterbrot

Verfasst von eoip am März 4, 2009

Meine Mutter muss schon recht lange dort am kaputten Jägerzäunchen gestanden haben, das unseren alten Schulhof von der Wilhelminenstraße trennte. Wir hatten Pause, und die Evangelischen spielten in ihrem abgesteckten Bereich im hinteren Teil des Hofes, wo die Kastanien standen, während wir Katholischen uns vorn aufhielten. Das alles war gestern.

Heute sah ich ein weggeworfenes Butterbrot unter der hochgewachsenen Hecke liegen, die an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule unbekümmert und unbeschnitten wuchert. Musste heulen, konnte immer noch nicht anders, die Tränen schossen mir fast liebevoll und doch nicht gewollt in die Augenwinkel, und verstohlen wischte ich sie mit dem Zeigefinger weg. Sollte keiner sehen, sollte keiner fragen. Ich sentimentales altes Weib, wer hätte mich denn verstanden?

Meine Mutter stand dort am Jägerzäunchen in ihrem hässlichen zerschlissenen braunen Mantel, die Pause war fast vorbei, und ich war so herrlich unbekümmert. Es war Krieg, mein Vater starb vermutlich irgendwo, und wir hatten wenig Gutes zu essen. Aber ich war ein Mädchen mit langen dicken Zöpfen und großen braunen Augen, und ich lachte trotz allem so gern, wie es mir vermutlich niemand selig zugestanden hätte. Es gab nichts zu lachen. Meine Mutter war zu dünn und viel zu grau für ihr Alter, ihre Manteltaschen hatten Löcher, und sie trug trotz der lausigen Kälte keinen Schal und keine Handschuhe. Den lustig gepunkteten Schal hatte sie Dieter, meinem kleinen Bruder, gegeben, er mochte ihn nicht, zu mädchenhaft. Die grauen Fäustlinge, die meine Hände nicht ausfüllten, hatte ich. Als ich meine Mutter dort am Jägerzäunchen entdeckte, zögerte ich nur kurz, wirklich nur kurz, dann lief ich hin. Ich war wohl aufgeregt, vermutlich, weil Heimatkunde bald beginnen würde. Ich hatte unseren Bahnhof gemalt, mein Vater hat da irgendwann mal als Stationsvorsteher gearbeitet, das war, bevor das alles begann, und ich war stolz und nervös. Und ich war unfreundlich zu meiner Mutter: „Was willst du denn, Mama?“ Ich muss altklug und gereizt geklungen haben, Gott, warum habe sie nicht ganz fest gedrückt?! Meine Mutter stand dort in ihrem hässlichen Mantel mit ihrer hausbackenen Hochsteckfrisur, die nach wenig Zeit, wenig Spiegel aussah, und sie sagte: „Kind, ich wollte dir doch nur dein Butterbrot bringen. Hast du mich denn nicht gesehen?“

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Ronald Henss: Und sie tanzen einen Tango …

Verfasst von eoip am Februar 25, 2009

Ja, wir waren eine glückliche Familie.

Und seit Kurzem hatten wir nun auch ein Auto.

Ich war damals noch zu klein, um zu begreifen, was es heißt, von einem einfachen Fabrikarbeiter zu einem Vertreter aufzusteigen. Mein Vater musste jetzt nicht mehr jeden Tag mit dem Fahrrad zur Fabrik strampeln. Nicht mehr jeden Tag harte körperliche Arbeit verrichten. Jetzt war er wer. Jetzt gehörte er zu den wenigen im Dorf, die ein Auto besaßen. Es war zwar nur der Firmenwagen, aber Papa konnte frei darüber verfügen.

An jenem Tag durften wir mit zur Betriebsfeier. Aufgeregt stiegen wir ein. Meine Schwester hinten, ich vorn neben Papa. Mamma winkte uns noch lange nach und wir winkten fröhlich zurück. Die Fahrt verging wie im Flug und schon hieß es: „Alle aussteigen!“

An der Tür tönten uns Musik und fröhlicher Lärm entgegen. „Na, da bist du ja endlich!“, „Oh, sind die beiden süß!“ Stolz stellte Papa uns seinen Kollegen und Kolleginnen vor. Die fremden Menschen machten mich verlegen. Still nahm ich meine Schwester an der Hand und leise zogen wir uns in eine Ecke zurück. Die Feier wurde ausgelassener und wir zwei wurden immer stiller.

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Verlorene Zuversicht Marie von Ebner-Eschenbach

Verfasst von eoip am Februar 17, 2009

Vor Jahren lebte in einer großen Handelsstadt ein Mann, dem alles, was er unternahm, gelang, den niemals ein Missgeschick traf, der von Jugend an bis ins reife Alter nur Freude und Erfolg erlebte und nur Dankbarkeit und Treue erfuhr. Plötzlich verwandelte sich sein Los; er sank ins Elend; er lernte Undank und Bosheit kennen, und allem, was er liebte, drohte Gefahr. Ebenso rasch jedoch, als es sich von ihm gekehrt, kam das Glück ihm zurück, ersetzte ihm zehnfach, was er verloren hatte, überschüttete ihn und die, die ihm teuer waren, von neuem mit seinen reichten Gaben.

„Nun, fragte jemand, „bist du zufrieden? Du hast es wieder, dein Glück.“

„Ach“, antwortete er, „wo ist meine Zuversicht! Ich habe ein Glück wieder, das mich schon einmal verlassen hat.“

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Beobachtung Reinhard Lettau

Verfasst von eoip am Februar 11, 2009

Wenn wir durchs Fenster hindurch ins Zimmer schauen, erblicken wir einen Herrn, der an einem Tisch sitzt. In einem anderen Zimmer steht ein Herr neben einem Schrank. Im dritten beobachteten Zimmer stehen zwei Herren hinter einem Tisch. In einem anderen Zimmer läuft ein Herr auf und ab. In einem anderen Zimmer sitzen fünf Herren, alle voneinander abgewandt, jeder liest. In einem anderen Zimmer, fast schon im letzten Haus des Dorfes, steht ein Herr und singt. IM letzten Haus des Dorfes sitzen zwei Herren einander gegenüber. Einer singt, der andere schlägt den Takt dazu. Im letzten Zimmer des letzten Hauses des Dorfes liegt ein Herr auf dem Bett. Wer weiß, ob es im nächsten Dorf anders ist. Überall Frieden

Reinhard Lettau war, was ein deutscher Schriftsteller – bei Strafe von Acht und Bann – nicht sein darf: elegant, elegant im Kopf.

Ihm war Leichtigkeit zu eigen, irisierend, für viele irritierend zwar hieß sein erster Prosaband, 1962, „Schwierigkeiten beim Häuserbauen“ – aber beim Wörterbauen hatte er keine Schwierigkeiten was so nicht stimmt – jene Leichtigkeit war das Produkt, aber beim Akt des Produzierens hat er es sich keineswegs leicht gemacht: ein misanthropischer Uhrmacher, dessen Glückshorizont ein gelungener Konjunktiv und dessen Elend ein falsch gesetztes Komma waren. (…)

Der berühmte Satz: „Le style c’est l’homme“, oft bestritten, trifft für Reinhard Lettau zu. Die Mischung seiner Literatur, schwebend und zugleich pfeilsicher, prägte auch die dissonante Harmonie seines Charakters. Ein zärtlicher Hasser, ein erbarmungslos Gerechter und ein Ungerechter zum Erbarmen. (…)

Wissend, dass niemand das kann, ritzte er es: Seine Bücher sind dieses ins Glas geschliffene Zeichen – keine Botschaft, keine Predigt. Sie sind Selbsteinkreisungen eines, der bestimmt war vom abgrundtief skeptischen Hoffen, Schönheit hülfe beim Menschwerden des Menschen.

Aus  Zeit online


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Café de la Terrasse

Verfasst von eoip am Februar 4, 2009

Jemand berichtet aus Berlin: Ein Dutzend verwahrloste Gefangene, geführt von einem russischen Soldaten, gehen durch die Straße; vermutlich kommen sie aus einem fernen Lager, und der junge Russe muss sie irgendwohin zur Arbeit führen oder, wie man sagt, zum Einsatz. Irgendwohin; sie wissen nichts über ihre Zukunft; es sind Gespenster, wie man sie allenthalben sehen kann.

Plötzlich geschieht es, dass eine Frau, die zufällig aus einer Ruine kommt, aufschreit und über die Straße heran läuft, einen der Gefangenen umarmt –das Trüpplein muss stehen bleiben, und auch der Soldat begreift natürlich, was sich ereignet hat; er tritt zu den Gefangenen, der die Schluchzende im Arm hält, und fragt:

“Deine Frau?

“Ja-.“

Dann fragt er die Frau:

„Dein Mann?“

„Ja-.“

Dann deutet er ihnen mit der Hand:

„Weg –laufen, laufen- weg!“

Sie können es nicht glauben, bleiben stehen; der Russe marschiert weiter mit den elf andern, bis er, einige hundert Meter später, einem Passanten winkt und ihn mit der Maschinenpistole zwingt, einzutreten: damit das Dutzend, das der Staat von ihm verlangt wieder voll ist.

Max Frisch

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Schlitten fahren

Verfasst von eoip am Januar 26, 2009

schlittenfahren

Das Eigenheim steht in einem Garten. Der Garten ist groß. Durch den Garten fließt ein Bach. Im Garten stehen zwei Kinder. Das eine der Kinder kann noch nicht sprechen. Das andere Kind ist größer. Sie sitzen auf einem Schlitten. Das kleinere Kind weint. Das Größere sagt, gib den Schlitten her. Das Kleinere weint. Es schreit.

Aus dem Haus tritt ein Mann. Er sagt, wer brüllt, kommt rein. Er geht in das zurück. Die Tür fällt hinter ihm zu.

Das kleinere Kind schreit.

Der Mann erscheint wieder in der Haustür. Er sagt, komm rein. Na wird`s bald. Du kommst rein. Nix. Wer brüllt, kommt rein.

Komm rein.

Der Mann geht hinein. Die Tür klappt.

Das kleinere Kind hält die Schnur des Schlittens fest. Er schluchzt.

Der Mann öffnet die Haustür. Er sagt, du darfst Schlitten fahren, aber nicht brüllen. Wer brüllt, kommt rein. Ja. Ja. Jaaa. Schluss jetzt.

Das größere Kind sagt, Andreas will immer allein fahren.

Der Mann sagt, wer brüllt, kommt rein. Ob er nun Andreas oder sonst wie heißt.

Er macht die Tür zu.

Das größere Kind nimmt dem kleineren den Schlitten weg.

Das kleinere Kind schluchzt, quietscht, jault, quengelt.

Der Mann tritt aus dem Haus. Das größere Kind gibt dem Kleineren den Schlitten zurück. Das kleinere Kind setzt sich auf den Schlitten. Es rodelt.

Der Mann sieht in den Himmel. Der Himmel ist blau. Die Sonne ist groß und rot. Es ist kalt.

Der Mann pfeift laut. Er geht wieder ins Haus zurück. Er macht die Tür hinter sich zu.

Das größere Kind ruft, Vati, Vati, Vati, Andreas gibt den Schlitten nicht mehr her.

Die Haustür geht auf. Der Mann steckt den Kopf heraus. Er sagt, wer brüllt, kommt rein. Die Tür geht zu.

Das größere Kind ruft, Vati, Vativativati, Vaaattiii, jetzt ist Andreas in den Bach gefallen.

Die Haustür öffnet sich einen Spalt breit. Eine Männerstimme ruft, wie oft soll ich das noch sagen, wer brüllt, kommt rein.

Helga M. Novak

(Für das Bild danken wir Herrn Johannes A. Schmitt)

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Gedichte

Verfasst von eoip am Dezember 14, 2008

Die Frage, ob es einen Gott gibt Bertolt Brecht

Einer fragte Herr K. Ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte; „ ich rate dir nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann könnten wir die Frage fallen lassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.

Gespräch Wolfgang Borchert

Zwei Männer sprachen miteinander.

Na, wie isst es?

Ziemlich schief.

Wie viel haben Sie noch?
Wenn es gut geht: viertausend

Wie viel können Sie mir geben?
Höchstens achthundert.

Die gehen drauf.

Also tausend.

Danke.

Die beiden Männer gingen auseinander.

Sie sprachen von Meschen.

Es waren Generale.

Es war Krieg.

Die Frage, ob es einen Gott gibt.

Das glaube ich auch, dass Herr K. ziemlich Recht hat. Mein Verhalten kann sich radikal ändern je nach der Antwort auf diese Frage. Wenn es keinen Gott gibt, dann beruht meine Freiheit nur auf menschlichen Prinzipien; was mache ich „Gutes?.. Schlechtes?“ Ich habe nur menschliche Grenzen. Wenn es einen Gott gibt, hat mein Verhalten nur eine einzige Richtung „das Gute“, weil auch Gott nur das Gute machen darf. Also darf ich nichts gegen Gottes willen machen. Natürlich gibt es zwischen Gott und mir einen riesigen Unterschied, er darf und kann nur Gutes tun und ich darf und kann es nur versuchen. (Javier Bergera)

Gespräch

Im Krieg hat das Leben einer Person, eines Menschen keinen Wert.

Im Krieg horcht und gehorcht der General nicht seinem Herzen sondern seinen Vorgesetzten.

Im Krieg sind die Menschen nichts anderes, als Werkzeuge, um Feinde zu töten.

Im Krieg werden die Menschen zu Gegenständen. Im Krieg ist der Mensch bloß eine Nummer. (Javier Bergera)

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