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Es war ein Montag (Roberto Horcada, módulo)

Verfasst von eoip am Oktober 27, 2008

Vor einigen Tagen habe ich einen kurzen Text von Ulrich P. Hinz gelesen, über den ich etwas berichten wollte. Weil dieser, obwohl nur eine ganz kurze Geschichte ist, dennoch einen beunruhigenden Eindruck auf mich hinterlassen hat.

Es handelt sich nämlich um den Tod, die Zeit und das Leben, die der Autor in seinem sprachlich virtuos ausgeführten Text gleichzeitig und parallel fließen lässt, ohne  einander zu begegnen.

Es war ein Montag

Anton Hübner lag tot in seinem Bett.

Der Morgen drohte. Neben ihm schlummerte, in süßen Träumen versunken, seine Frau. Die Uhr tickte vor die geschlossenen Jalousien. Es war ein Dienstag.

Else Hübner ließ einen genüsslichen Schnarchton erklingen und drehte sich auf die andere Seite. Anton Hübner war immer noch tot, und die Uhr tickte um ihn herum.

Vor den Fenstern gebar die Welt einen neuen Tag; der Wecker würde gleich klingeln. Seine Frau grunzte. Speichel floss auf ihr Kopfkissen. Anton Hübner schwieg, als der Wecker seine Arbeit aufnahm. Schlaftrunken prügelte die Frau auf den pflichtbewussten Gesellen ein, gab ihrem Mann einen Kuss auf die Stirn und ging ins Bad. Sorgfältig erledigte sie ihre Morgentoilette und kleidete sich an. Ihrem Mann einen Abschiedskuss zuwerfend, verließ sie das Haus.

Der neugeborene Tag verstrich langsam aber stetig. Er wurde älter. Gegen Abend kehrte Else Hübner zurück, bereitete das Abendmahl und setzte sich anschließend vor den Fernseher. Der Tag starb, als sie ins Bad ging und sorgfältig ihre Abendtoilette erledigte. Der letzte Blick in den Spiegel war zufrieden stellend. Sie schlurfte ins Schlafzimmer, gab ihrem Mann einen Kuss auf die Stirn und kuschelte sich in ihre Bettdecke. Bald schon schlummerte sie in süßen Träumen.

Die Uhr tickte vor die geschlossenen Jalousien. Anton Hübner lag tot in seinem Bett. Es war ein Mittwoch.

© Ulrich P. Hinz

Der Schauplatz ist ein Zimmer, in dem Ulrich Hinz mit seinem präzisen, sachlichen Erzählstil die Realität wie ein Skalpell schneidet: von der Einleitung an erscheint der Tod –Anton Hübner lag tot in seinem Bett- und laufen daneben die Zeit –der Morgen drohte…, die Uhr tickte…., der Tag starb…- und der Alltag, die Routine, die Banalität des Lebens - schlummerte seine Frau…, ging ins Bad…., gab ihren Mann einen Kuss auf die Stirn…., bereitete das Abendmahl.…., setzte sich vor den Fernseher…- bis zum Ende. Da wartet unerbittlich noch mal der Tod: Anton Hübner lag tot in seinem Bett. Es war ein Mittwoch.

Der Band „Gegen alle Hoffnung“ ist somit Bestandsaufnahme einer auf sinnentleerten Ritualen sich gründenden und überkommenen Gesellschaft und Ausweg aus deren Banalität zugleich. Der Autor konfrontiert den Leser mit der Trostlosigkeit, dem Kummer und der Vereinsamung seines Daseins am Beginn des 21. Jahrhunderts, und deutet die Konsequenzen der heutigen entemotionalisierten Wirklichkeit als fragil und leblos.

Harte Worte gibt es darin, brutale Gedanken, aber auch sehr zarte Töne, solche von tiefer Liebe und von Träumen. Gedichte wirken im Kopf des Lesers, und zwar bei jedem anders. Deswegen nur das: Diese hier sind lesenswert, also lasst sie auf euch wirken.

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